Faire Ladepreise in Sicht? / Fair charging prices ahead?

Schluss mit dem Ladepreischaos?

Eine Ladesäule, ein Auto, ein Ladevorgang. Eigentlich sollte es einfach sein, den Preis dafür herauszufinden. Wer öffentlich lädt, weiß allerdings, dass die Sache schnell kompliziert wird. Mit der einen Karte kostet die Kilowattstunde deutlich mehr als mit der anderen. Die Betreiber-App bietet wieder einen anderen Preis und wer direkt bezahlt, muss womöglich besonders tief in die Tasche greifen. Vor dem Laden steht deshalb manchmal erst einmal der Vergleich mehrerer Angebote.

Ich fahre einen Hyundai Ioniq 5 und habe zu Hause keine eigene Wallbox. Öffentliches Laden gehört für mich zum Alltag. Auch längere Fahrten funktionieren damit gut. Trotzdem würde ich gern weniger Zeit damit verbringen, die passende Kombination aus Säule und Tarif zu suchen. Ein Urteil des Landgerichts München I könnte nun Bewegung in dieses Thema bringen.

Warum ein Ladekartenanbieter vor Gericht zog

Am 6. Oktober 2026 entschied das Gericht im Streit zwischen EWE Go und Digital Charging Solutions, kurz DCS. Das Unternehmen steht unter anderem hinter den Ladediensten von BMW und Mercedes-Benz. Nach dem Bericht von electrive trägt das Verfahren das Aktenzeichen 33 O 2062/25. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Die im Verfahren untersuchten Preise machen das Problem deutlich. EWE Go verlangte zum genannten Stichtag von Mobilitätsdienstleistern wie DCS 83,7 Cent je Kilowattstunde brutto. Eigene registrierte App-Kunden zahlten an denselben Stationen dagegen 52 Cent. Der Einkaufspreis für den Ladekartenanbieter lag damit rund 60 Prozent über dem Preis für die direkten Kunden des Betreibers.

Wie soll unter solchen Bedingungen ein konkurrenzfähiges Angebot entstehen? Ein Ladekartenanbieter muss seine eigenen Kosten ebenfalls decken. Wenn er den Strom schon deutlich teurer einkauft, kann er seinen Kunden kaum einen ähnlich günstigen Preis anbieten. Für uns Fahrer sieht das dann so aus, als wäre unsere Karte an diesem Standort besonders teuer. Die Ursache kann aber bereits in den Konditionen zwischen den Unternehmen liegen.

Laut electrive untersagte das Gericht EWE Go, DCS diese höheren Preise zu berechnen. Besonders wichtig ist, dass dabei auch der günstigere eigene Vertragskundentarif berücksichtigt wurde. Der Vergleich beschränkte sich also nicht auf den höheren Preis für das Laden ohne Vertrag. Auch die zusätzliche Blockiergebühr gegenüber DCS wurde nach der Berichterstattung untersagt.

Hohe Aufschläge müssen nachvollziehbar sein

Die rechtliche Grundlage ist die europäische Ladeinfrastrukturverordnung AFIR. Sie verlangt angemessene, transparente und nichtdiskriminierende Preise. Unterschiedliche Preise sind möglich, müssen aber objektiv gerechtfertigt und verhältnismäßig sein.

Genau an dieser Rechtfertigung scheiterte EWE Go nach dem Bericht. Verwaltungskosten, Betreuungsaufwände, unternehmerische Risiken und Kundenbindungsmodelle konnten den konkreten Preisabstand demnach nicht plausibel erklären. Daraus folgt kein Verbot sämtlicher Tarifunterschiede. Es zeigt aber, dass ein erheblicher Aufschlag einer Prüfung standhalten muss.

Das Verfahren betrifft außerdem mögliche Schäden aus der Vergangenheit. Nach den Berichten stellte das Gericht eine grundsätzliche Schadenersatzpflicht für Schäden seit dem 13. April 2024 fest. Eine konkrete Summe steht noch nicht fest. Auch dieser Teil des Urteils ist noch nicht rechtskräftig.

Was bedeutet das für uns Fahrer?

Zunächst bleibt es eine Entscheidung im Streit zwischen EWE Go und DCS. Andere Betreiber sind dadurch nicht automatisch zu bestimmten neuen Preisen verpflichtet. Die europäischen Vorgaben gelten allerdings auch für sie. Deshalb dürfte die Frage wichtiger werden, wie große Unterschiede zwischen eigenen Kundentarifen und den Preisen für fremde Ladekartenanbieter begründet werden.

Man muss dabei das gesamte Angebot betrachten. Ein günstiger Kilowattstundenpreis gegen monatliche Grundgebühr lässt sich nicht einfach mit einem Tarif ohne Grundgebühr gleichsetzen. Ebenso beweist ein hoher Preis in einer Lade-App allein noch keinen Verstoß des Säulenbetreibers. Dafür wären auch dessen Konditionen gegenüber dem Ladekartenanbieter entscheidend.

Beim direkten Bezahlen ohne Vertrag stellt sich eine ähnliche Frage. Wenn eine kostenlose Registrierung denselben Strom deutlich günstiger macht, möchte ich wissen, wodurch der höhere Preis ohne Registrierung gerechtfertigt ist. Das Urteil ist jedoch kein allgemeines Verbot höherer Ad-hoc-Preise. Auch Blockiergebühren sind damit nicht grundsätzlich abgeschafft.

Mehr Freiheit bei der Wahl des Ladestopps

Für mich wäre eine größere Auswahl auf Reisen der wichtigste Fortschritt. Ich möchte eine Säule nutzen können, weil sie gut auf meiner Strecke liegt, ausreichend Ladeleistung bietet und einen vernünftigen Preis hat. Wenn meine gewohnte Karte dort konkurrenzfähig wäre, müsste ich seltener eine zusätzliche App installieren oder wegen des Tarifs einen anderen Standort anfahren.

Die Ladepausen selbst lassen sich mit meinem Ioniq 5 gut in eine Fahrt einbauen. Ein Kaffee, etwas Bewegung oder eine Kleinigkeit zu essen passen für mich dazu. Was ich gern reduzieren würde, ist die Tarifrecherche davor. Gerade wenn man auch im Alltag öffentlich lädt, können nachvollziehbare Preise und eine unkomplizierte Nutzung viel ausmachen.

Ob das Urteil tatsächlich zu günstigeren Angeboten führt, bleibt offen. Bessere Einkaufskonditionen schaffen dafür Spielraum, garantieren aber keine vollständige Weitergabe an die Kunden. Betreiber könnten auch ihre eigenen Tarife verändern. Deshalb verspreche ich mir davon noch keine sofortige Preissenkung an jeder Säule.

EWE Go erklärte gegenüber electrive, zunächst die Urteilsbegründung prüfen und anschließend über das weitere Vorgehen entscheiden zu wollen. DCS begrüßt die Entscheidung als wichtigen Schritt für den Wettbewerb. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Verfahren entwickelt und welche Folgen es für die Branche hat.

Für mich ist das trotzdem eine Nachricht, die Hoffnung macht. Das Reisen mit dem Elektroauto funktioniert bereits. Wenn öffentliches Laden zusätzlich übersichtlicher wird und wir unsere gewohnten Karten an mehr Standorten zu vernünftigen Preisen nutzen können, wäre das eine Verbesserung, die im Alltag ankommt.

Wie viele Ladekarten oder Apps nutzt ihr inzwischen? Habt ihr euren festen Anbieter gefunden oder gehört der Preisvergleich für euch zu jedem längeren Ausflug dazu?


Der Beitrag basiert auf der Berichterstattung über das Urteil vom 6. Oktober 2026. Der vollständige Gerichtstext wurde nicht selbst geprüft. Laut dem verlinkten Bericht ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.

Quellen

"electrive: Wegweisendes Urteil zu EWE Go und DCS" (https://www.electrive.net/2026/10/06/urteil-dcs-ewe-go/)

"Europäische Ladeinfrastrukturverordnung AFIR, Artikel 5" (https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1804/oj?locale=de)

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An end to charging price chaos?

One charging station, one car, one charging session. Finding out the price should be straightforward. Anyone who uses public chargers knows that it can quickly become complicated. One card offers a much higher price than another. The operator’s app has a different tariff again, while paying directly may be particularly expensive. Sometimes, charging starts with comparing several offers.

I drive a Hyundai Ioniq 5 and have no wallbox at home. Public charging is part of my everyday life. Longer journeys work well too. Still, I would gladly spend less time finding the right combination of charging station and tariff. A ruling from the Munich I Regional Court could now bring some movement into this issue.

Why a charging service provider went to court

On 6 October 2026, the court ruled in the dispute between EWE Go and Digital Charging Solutions, or DCS. The company provides charging services for manufacturers including BMW and Mercedes-Benz. According to electrive, the case number is 33 O 2062/25. The judgment is not yet final.

The prices examined in the proceedings illustrate the problem. On the reference date reported, EWE Go charged mobility service providers such as DCS €0.837 per kWh, including VAT. Its own registered app customers paid €0.52 at the same stations. The purchasing price for the charging service provider was therefore roughly 60 percent higher than the operator’s direct customer price.

How can a competitive offer emerge under those conditions? A charging card provider has its own costs to cover. If it already buys electricity at a substantially higher price, offering customers a similarly attractive rate becomes difficult. Drivers usually see only the result: their familiar card is expensive at a particular station. The cause may already lie in the commercial conditions between the companies.

According to electrive, the court prohibited EWE Go from charging DCS those higher prices. Crucially, the comparison included the cheaper tariff for EWE Go’s own contract customers. It was not limited to the higher price for charging without a contract. The additional blocking fee imposed on DCS was also prohibited, according to the reporting.

Significant surcharges need a convincing explanation

The legal basis is the European Alternative Fuels Infrastructure Regulation, known as AFIR. It requires reasonable, transparent and non-discriminatory prices. Different prices are permitted, but the differences must be proportionate and objectively justified.

According to the report, EWE Go failed to provide a plausible justification for the specific price gap. Arguments concerning administration, customer support, business risks and customer retention models did not convince the court. This does not prohibit every difference between tariffs. It does show that a substantial surcharge must withstand scrutiny.

The proceedings also concern damage incurred in the past. Reports state that the court established liability in principle for damage arising since 13 April 2024. The amount has not yet been determined. This part of the judgment is not yet final either.

What does this mean for drivers?

For now, this is a decision in the dispute between EWE Go and DCS. Other operators are not automatically required by this judgment to introduce particular prices. However, the European rules also apply to them. That makes the justification for large differences between their own customer tariffs and the prices charged to third-party charging service providers an important question.

The complete offer needs to be considered. A low price per kWh combined with a monthly subscription fee cannot simply be treated as equivalent to a tariff without that fee. Likewise, an expensive price in a charging app alone does not prove that the station operator is breaking the rules. The conditions it offers the charging service provider would matter too.

Direct payment without a contract raises a related question. If free registration makes the same electricity considerably cheaper, I would like to know what justifies the higher price without registration. However, the judgment is not a general ban on higher ad hoc prices. Nor does it abolish blocking fees altogether.

More freedom to choose a charging stop

For me, the most useful improvement would be a wider choice when travelling. I want to use a station because it is conveniently located, offers suitable charging power and has a reasonable price. If my usual charging card offered competitive conditions there, I would have less reason to install another app or drive to a different location purely because of the tariff.

Charging breaks with my Ioniq 5 fit well into a journey. Having a coffee, stretching my legs or eating something works for me. What I would like to reduce is the tariff research beforehand. For people who also rely on public charging in everyday life, understandable prices and convenient access can make a real difference.

Whether the ruling actually leads to cheaper offers remains uncertain. Better purchasing conditions create room for improvement, but do not guarantee that savings will be passed on fully. Operators could also change their own tariffs. It would therefore be premature to expect an immediate price reduction at every station.

EWE Go told electrive that it would first examine the reasoning before deciding how to proceed. DCS welcomed the decision as an important step towards effective competition. We will have to see how the case develops and what consequences it has for the industry.

Nevertheless, this gives me reason for hope. Travelling in an electric car already works. If public charging becomes clearer and we can use our familiar cards at more locations for reasonable prices, that would be an improvement we could feel in everyday life.

How many charging cards or apps do you use now? Have you found one provider that suits you, or is comparing prices part of every longer trip?


This post is based on reporting about the judgment of 6 October 2026. The complete court judgment has not been independently reviewed. According to the linked report, the decision is not yet final.

Sources

"electrive: Ruling in the dispute between EWE Go and DCS" (https://www.electrive.net/2026/10/06/urteil-dcs-ewe-go/)

"European Alternative Fuels Infrastructure Regulation, Article 5" (https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1804/oj?locale=en)

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