Tag 9 in meinem Leben ohne Handy und Telefon - der Flieder musste dran glauben...

in #deutsch • 2 months ago (edited)

Hallo Ihr Lieben,

schon wieder ist ein Tag vergangen und die halbe Woche bereits vorbei. Der Sommer hat sich mehr oder weniger verabschiedet und die Nächte werden zumindest seit heute abend deutlich herbstlicher.

In meinem Leben ohne Handy und Telefon hat sich faktisch noch immer nichts verändert.

Inzwischen darf man durchaus mit Fug und Recht von einer schweren Straftat bei dem Finder des Handys sprechen. Das Delikt?

Unterschlagung

Vielleicht ist vielen nicht bewusst, dass es sich hierbei nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um ein Verbrechen.

§246 StGB schreibt hierzu - Zitat:

§ 246 Unterschlagung

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zueignet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

(2) Ist in den Fällen des Absatzes 1 die Sache dem Täter anvertraut, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe.

(3) Der Versuch ist strafbar.

Da das Handy, die Ausweise, die EC-Karten und der restliche Inhalt der Handyhülle bis heute nicht aufgetaucht sind und der Finder auch ansonsten in keinster Weise reagiert bzw. die Fundsachen zurück gegeben hat, war es heute unabdingbar die KUNO-Sperre für die entwendeten EC-Karten dauerhaft einzurichten. Zu diesem Zweck wurde der zuständige Service hierfür kontaktiert und der erforderliche Mechanismus mitsamt der Folgenummern von der zuständigen Bank in Gang gesetzt. Was immer auch der Straftäter mit den EC-Karten vorhat - diese sind fortan dauerhaft deaktiviert und nicht mehr nutzbar.

Da nun die KUNO-Sperre dauerhaft aktiviert wurde ist auch die letzte Sicherheitslücke geschlossen worden, da die von der Polizei veranlasste KUNO-Sperre selber nur eine Gültigkeit von 10 Tagen hat. Sollte ihr also mal eure EC-Karten verlieren und den Verlust zur Anzeige bringen, dann fragt auch immer direkt neben der PIN Sperre bei der Polizei nach der Einrichtung einer KUNO-Sperre um jedwede Form des Missbrauchs eurer EC-Karten zu verhindern.

Um die KUNO-Sperre einzurichten, bin ich nach dem gescheiterten Versuch am Montag, heute erneut zu meinem totkranken Kumpel alias @eisvogel und besten Freund gefahren. Diesmal öffnete er die Tür und ich freute mich sehr ihn wieder zu sehen. Gute Freundschaft in guten wie in schlechten Zeiten sind unbezahlbar. Ich nutzte die Gelegenheit dabei auch direkt um für mein Notfallhandy das ich zuhause liegen habe und wo die Registrierung der SIM-Karte nicht funktionierte dazu um über die Hotline eine neue Simkarte anzufordern. Das ist zwar nicht die Simkarte für mein Primärhandy, aber sie ist ebenso wichtig, weil das Notfallhandy eigentlich immer auch als Notfall gedacht war und ist, für eben solche Situatione, wie sie in den letzten 9 Tagen entstanden sind.

Dieses Reserve und Notfallhandy ist simpel und wahrscheinlich schon 10-12 Jahre alt. Kein klassisches Handy, sondern uralte Technologie ohne Smartphone, Touchscreen oder anderen Schnick Schnack. Es ist leicht, extrem schmal, dünn und passt quasi in jede Hemdtasch ohne aufzufallen. Ideal für den Einsatz unterwegs.

Fürs erste wird es hoffentlich gute funktionieren, sofern es die neue SIM-Karte auch annimmt. Wir werden sehen. Wenigstens wäre ich dann wieder bis zum Wochenende telefonisch erreichbar - jedoch ohne irgendwelchen Schnickschnack, Apps oder Messengerdienste, was durchaus auch Vorteile hat.

Nachdem die Anforderung der neuen Simkarte fast eine halbe Stunde Zeit in Anspruch genommen hatten, speisten wir zu Abend und liessen es langsam angehen. Denn das Leiden ist schon heftig. Alles in allem ist die Situation so wie sie ist und man muss aus allem was einem im Leben widerfährt versuchen stets das Beste zu machen.

Der Rest des Abends wurde genutzt dem besten Freund dabei zu helfen den Vorgarten für den Herbst sturmfest zu machen. Also schnappte ich mir die akkubetriebene Motorsäge, die ich für ihn vor 6 Monaten bei Alibaba für kleines Geld gekauft hatte und zerlegte in seinem Vorgarten die sprichwörtlichen Auswüchse eines mindestens 50 Jahre alten Flieders. Am Ende fehlten dank der Motorsäge rund 2/3 aller Äste und es stellt sich die Frage, ob wir da nicht etwas zu voreilig waren, so denn der Flieder im nächsten Jahr noch einmal ausschlagen soll. Doch auf der anderen Seite waren Teile des Flieders und seines Stammes so morsch, dass man es nicht verantworten konnte diesen in seiner letzten Konstellation noch so stehen zu lassen, da durchaus bei starkem Unwetter die Gefahr bestanden hätte das die Äste auf Fussgänger auf dem Bürgersteig oder dort parkende Autos der Nachbarn knallen. Also ratz fatz weg damit. Sicher ist sicher - ehe jemand zu Schaden kommt.

Am Ende lag auf dem ganzen Bürgersteig der Fliederbusch mit einem Berg von Ästen. Mangels Handy gibt es davon leider kein Foto. Aber ich denke ihr könnt euch vorstellen was für ein Volumen an Verschnitt dabei zustande kommt. Und da ich gleich dabei war, wurde die Hecke auch noch kurzerhand in Form gebracht. Am Ende war die Biotonne voll bis zum Anschlag, die dicken Äste in Kleinteile zersägt als potentielles Feuerholz für den Winter im Garten hinterlegt und der Rest der Unmengen an Ästen vor dem Fenster deponiert, wo der Grünschnitt jetzt darauf wartet, dass die Biotonne möglichst bald entleert wird und der Rest des Schnitts dann entsorgt werden kann.

Mit Einbruch der Dunkelheit waren wir schliesslich dann fertig mit den Säge- und Pflegearbeiten und machten eine kurze Pause ehe wir unser "Gängle" machten, wie wir es schon seit über 20 Jahren tun. Gängle heisst in diesem Fall ein Fussmarsch zum Rhein und dann am Rheinufer entlang zurück zum Ausgangspunkt - egal bei welchem Wetter - bevorzugt jedoch bei warmen Temperaturen.

Da das Wetter inzwischen herbstlich geworden ist, wurde es auch ein wenig regnerisch. Mit dem T-Shirt bewaffnet wurde es bei windigen 17 Grad und Regen dann doch etwas frisch für mich, wenn gleich ich dieses Segelwetter doch gerne mag. Eine frische Brise bei Sonnenschein war dies aber nach Sonnenuntergang hingegen nicht. Dennoch sind 17 Grad auch kein Weltuntergang. Da bin ich schon wesentlich härteres gewöhnt.

Ich denke, der Mensch braucht solch ein "Reiz"klima auch, um fit zu bleiben. Die sieben Sinne wollen schliesslich beschäftigt werden - egal ob heiss oder kalt, ob trocken oder nass...

Hauptsache Futter für die Neuronen unseres Zentralnervensystems. Nichts hält sie mehr auf Trab als die unterschiedlichen Qualitäten der Wahrnehmung, welche die Natur rund um die Uhr abseits der eigenen vier Wände uns stets zur Verfügung stellt.

Wetterduschen könnte man das nennen - ähnlich wie das Waldbaden, was ich nur zu gerne mache...

Zurück ging es dann mit dem Schienenersatzverkehr, dessen Taktung und Pünktlichkeit doch alles andere als ausreichend ist, aber so ist das halt im Sozialismus.

Da darf man froh sein, wenn überhaupt mal etwas kommt und nicht einfach vorbeifährt oder ausfällt...

Carpe noctem und freut euch des Lebens.

Peace!

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