𝗟Ä𝗨𝗙𝗧 𝗕𝗘𝗜 𝗠𝗜𝗥 – 𝗡𝗨𝗥 𝗞𝗢𝗡𝗦𝗘𝗤𝗨𝗘𝗡𝗧 𝗜𝗡 𝗗𝗜𝗘 𝗙𝗔𝗟𝗦𝗖𝗛𝗘 𝗥𝗜𝗖𝗛𝗧𝗨𝗡𝗚!

in #deutsch10 days ago

Ich bin ja so was von blöde. Was habe ich gestern Abend gemacht? Ich habe im Halbschlaf noch einmal die Tabletten genommen, die eigentlich für den Morgen bestimmt waren. Ich besitze extra eine Schachtel, in der alle Medikamente fein säuberlich sortiert sind. Die kleinen Fächer für morgens sind sogar mit einem Kreuz gekennzeichnet. Ein System, das vermutlich jeder durchschnittlich begabte Wellensittich verstanden hätte. Nur ich habe mir offenbar gedacht: Kreuz bedeutet nicht „morgens“, sondern „nimm mich abends einfach noch einmal, wird schon lustig werden“.

Das Ende vom Lied: Der Blutdruck verabschiedete sich in den Keller, der Kreislauf meldete sich komplett vom Dienst ab und mein Puls dürfte zwischendurch überlegt haben, ob sich Weiterarbeiten für die paar Schläge überhaupt noch lohnt. Ja, ja, ich weiß: Eigentlich hätte ich sofort ins Krankenhaus gemusst. Aber auch dafür war ich offenbar zu blöde. Ich konnte gar nicht mehr groß darüber nachdenken, bin gleich wieder eingeschlafen und habe bis heute Vormittag, fast 10 Uhr, durchgeschlafen. Andere Menschen brauchen dafür Schlaftabletten. Ich nehme einfach versehentlich den halben Morgen noch einmal und gönne meinem Kreislauf einen Betriebsausflug in den Keller.

So etwas ist mir wirklich noch nie passiert. Wahrscheinlich muss ich die Tablettenschachteln künftig nicht nur mit einem Kreuz markieren, sondern zusätzlich mit Uhrzeit, Warnblinkanlage und einem Schild: „Holger, Finger weg, wir haben Abend!“ Vielleicht stelle ich auch Marcel daneben. Der bekommt eine Trillerpfeife und haut mir jedes Mal auf die Finger, wenn ich mich nach 18 Uhr der falschen Schachtel nähere.

Aber im Moment läuft hier ohnehin alles wie geschmiert – allerdings offenbar mit Schmierseife direkt bergab. Gesundheitlich geht es mir ziemlich mies, Facebook hat meine Reichweite irgendwo hinter dem Aktenschrank verloren und die Monetarisierung ist um rund 80 Prozent eingebrochen. Statt knapp 1.000 Euro wie im vergangenen Monat werden es diesmal vielleicht noch 200 oder mit sehr viel Fantasie 300 Euro. Facebook nennt so etwas vermutlich „Unterstützung erfolgreicher Content-Ersteller“. Ich nenne es eher: „Herzlichen Glückwunsch, du arbeitest weiterhin täglich vier bis fünf Stunden, bekommst dafür aber künftig ungefähr den Gegenwert von zwei Einkaufswagen Lebensmitteln.“

Weil kaum noch jemand meine Beiträge sieht, ist selbstverständlich auch der Buchverkauf zurückgegangen. Das ist überraschend, denn normalerweise kaufen Menschen ja besonders gern Bücher, von deren Existenz sie überhaupt nichts wissen. Vielleicht sollte ich die restlichen Exemplare einfach nachts heimlich vor fremde Haustüren legen. Das wäre wahrscheinlich effektiver als die aktuelle Reichweite bei Facebook und hätte wenigstens noch den Vorteil, dass sie jemand bemerkt, wenn er morgens darüber stolpert.

Vor ein oder zwei Wochen lief noch alles prima. Die Künstlersozialkasse hatte mich aufgenommen, sodass ich endlich günstig renten- und krankenversichert bin. Der Buchverkauf lief gut, die Monetarisierung war zwar leicht rückläufig, aber noch nicht klinisch tot. Da dachte ich tatsächlich für einen kurzen Moment: Mensch, jetzt läuft es endlich einmal. Das Schicksal muss diesen Gedanken gehört haben und sagte sich offenbar: „Der wird doch jetzt nicht etwa zufrieden sein? Da müssen wir sofort handeln!“

Also Gesundheit runter, Reichweite runter, Einnahmen runter und Buchverkäufe ebenfalls runter. Wenn schon bergab, dann wenigstens geschlossen als Mannschaft. Nur mein Gewicht hält sich aus Solidarität natürlich nicht an diesen Trend. Das geht zuverlässig nach oben. Wenigstens auf einen Bereich ist noch Verlass.

Dann wollen wir mal hoffen, dass das alles nur vorübergehend ist. Ansonsten muss ich ehrlich gestehen, dass ich im Moment auch nicht weiß, wie es weitergehen soll. Auf und nieder, immer wieder – wobei das „auf“ derzeit vermutlich wegen Personalmangels geschlossen ist.

Das größte Problem wartet aber schon am 15. Oktober auf mich. Bis dahin muss ich den Druckauftrag für mein Buch erteilen. Fast 300 Exemplare der geplanten Erstauflage von 500 Stück sind bereits verkauft. Eigentlich wollte ich die Auflage deshalb auf 1.000 oder vielleicht sogar gleich auf 2.000 Exemplare erhöhen und diese innerhalb von vier Jahren verkaufen – also ungefähr 500 Bücher pro Jahr. Vor zwei Wochen klang das noch nach einem vernünftigen Plan. Heute klingt es für mich ungefähr so kalkulierbar wie die Frage, welche Tablettenschachtel ich am Abend öffne.

Ich werde mir deshalb vermutlich ein paar Würfel kaufen. Bei einer Eins bleiben es 500 Bücher, bei einer Drei werden es 1.000 und bei einer Sechs bestelle ich 2.000 Stück. Würfeln erscheint mir inzwischen als ausgesprochen seriöse Unternehmensberatung. Immerhin hat ein Würfel sechs klar erkennbare Seiten, während Facebook seine Entscheidungen vermutlich von einer betrunkenen Glaskugel treffen lässt.

Ach Mensch, manchmal weiß man wirklich nicht, ob man lachen, weinen oder einfach noch einmal bis 10 Uhr schlafen soll. Wobei ich Letzteres künftig lieber ohne doppelte Medikamentenration versuchen werde. 🙂


Veröffentlicht mit Welako

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Esa cruz en la caja me recordó a marcar los horarios de salida en mi mochila antes de cada ruta, ¡no más confusiones de madrugada! ¿Probaste ya una alarma o una luz intermitente para el “turno noche” de tus pastillas? Con esa caída del 80 % en el presupuesto, la aventura de la salud parece más dura que cualquier trekking.

Miren esto, la caída del 80 % en tus ingresos, de 1 000 a apenas 200 euros, parece el descenso del sol sobre la Costanera y me dejó pensando en cuán frágil es el equilibrio. ¿Qué historia cuenta la imagen que subiste al final del post?

oha,dass läuft ja immoment mega schittig
drück die daumen,dass sich alles wieder einpendelt

hier sind wohl 2 kommentare reingekommen,wo sind diese hin