𝗘𝗜𝗡 𝗦𝗢𝗡𝗡𝗧𝗔𝗚 𝗭𝗪𝗜𝗦𝗖𝗛𝗘𝗡 𝗞𝗟Ä𝗥𝗚𝗥𝗨𝗕𝗘

in #deutsch5 days ago

𝗙𝗔𝗨𝗟𝗚𝗔𝗦𝗘𝗡 𝗨𝗡𝗗 𝗠𝗔𝗥𝗖𝗘𝗟𝗦 𝗚𝗘𝗪𝗔𝗟𝗧𝗜𝗚𝗘𝗠 𝗘𝗥𝗕𝗘

Heute sind Marcel und ich wieder unserer neuen Lieblingsbeschäftigung nachgegangen: Wir haben zum zweiten Mal das Abflussrohr durchgespült, das vom Haus zur Klärgrube führt. Andere Menschen fahren sonntags ins Grüne, trinken Kaffee oder besuchen ihre Schwiegermutter. Wir stehen vor einer Klärgrube und schieben Schläuche in Rohre. Jeder gestaltet seine Freizeit eben nach seinen persönlichen Begabungen.

Hintergrund dieser romantischen Sonntagsbeschäftigung war, dass der Abfluss schon wieder halbwegs verstopft war und das Wasser nicht mehr richtig ablaufen wollte. Auffällig ist: Seit Marcel hier ist, ist das Klo ständig verstopft. Ich möchte niemanden vorschnell beschuldigen, aber offenbar hinterlässt der Mann Haufen, für die normale Thüringer Abflussleitungen statisch und emotional einfach nicht ausgelegt sind. Die Rohre sehen das ankommen und sagen sich: „Nein, Freunde, bis hierher und keinen Zentimeter weiter. Das ist nicht mehr durch unseren Tarifvertrag abgedeckt.“

Letzte Woche hatten wir es zunächst mit einer Spirale versucht. Die Spirale hatte allerdings ungefähr denselben Erfolg wie ein freundliches Zureden. Gott sei Dank besitze ich für den Kärcher einen 20 Meter langen Rohrreinigungsschlauch mit einer Spezialdüse. Durch den Wasserdruck zieht sich das Ding selbstständig immer weiter ins Rohr hinein und kämpft sich dort vorwärts wie ein kleiner Untertagekumpel – nur ohne Helm, Gewerkschaft und Hoffnung auf eine warme Mahlzeit. Damit konnten wir die Verstopfung wenigstens halbwegs lösen.

Vielleicht ging es mir danach auch deshalb so schlecht. Diese herrlichen Faulgase, die einem dabei entgegenkommen, duften nämlich nicht nur nach jahrzehntelanger Familiengeschichte, sondern können einen tatsächlich niederstrecken. Vermutlich hat mein Körper irgendwann entschieden: „Holger, entweder du gehst jetzt ins Bett, oder ich schalte den ganzen Laden hier eigenständig ab.“

Heute, genau eine Woche später, fand der komplette Spaß noch einmal statt. Ich werde nun in der kommenden Woche die Klärgrube vollständig auspumpen lassen, den Zulauf verschließen und versuchen, die ungefähr zehn Meter lange Abflussleitung gründlich zu reinigen. Nach rund 40 Jahren dürfte sich dort einiges abgesetzt haben – vermutlich Urinstein in einer Stärke, aus der andere Leute bereits tragende Kellerwände errichten würden. Welche geeignete Lösung dafür infrage kommt, muss ich noch genau klären. Irgendetwas, das die Ablagerungen beseitigt, ohne dabei das Rohr, das Haus und weite Teile des Thüringer Waldes gleich mit aufzulösen.

Ist das nicht ein ausgesprochen angenehmes Thema für einen Sonntag? Ich weiß allerdings noch nicht, ob Fotos von Marcel und mir, wie wir Schläuche in die Leitungen einer Klärgrube schieben, gerade der große Hit auf Facebook wären. Falls sich das jemand unbedingt anschauen möchte, soll er sich bitte melden. Ich möchte nur vorher wissen, wer nach so etwas verlangt, damit ich diese Menschen künftig etwas aufmerksamer beobachte.

Aber wenn man abseits der Zivilisation lebt und eine eigene Klärgrube besitzt, gehört eben auch so etwas zum idyllischen Landleben. Andere haben Vogelgezwitscher, Waldluft und einen plätschernden Bach. Wir haben einen Kärcher, zehn Meter Abflussleitung und Marcel, der mit jedem Toilettengang prüft, ob die gesamte Anlage noch den geltenden Belastungsgrenzen entspricht.

Nach vier- oder fünfmal Würgen und dem Satz „Oh Gott, worauf habe ich mich hier nur eingelassen?“ ist dann auch alles wieder vergessen. Deshalb wiederholen wir das Ganze nächste Woche noch einmal, nachdem die Grube komplett leergepumpt wurde und wir einen besseren Zugang zum Zulauf haben. Manche Menschen buchen für viel Geld ein Wellnesswochenende. Wir machen eben Klärgruben-Yoga mit Atemanhalteübungen.

Ganz wichtig und diesmal völlig ohne Spaß: Solche Arbeiten sind tatsächlich hochgefährlich. Niemals den Kopf in eine Klärgrube halten oder hineinsteigen. Die dort entstehenden Gase können giftig sein, Sauerstoff verdrängen und innerhalb kürzester Zeit zur Bewusstlosigkeit und zum Tod führen. Es sind schon Menschen ums Leben gekommen, weil sie nur kurz nachsehen oder eine Spirale hineinhalten wollten. Also Abstand halten, gut lüften und im Zweifel einen Fachbetrieb holen.

Denn so eine Todesanzeige möchte wirklich niemand lesen:

„Er ging der Kacke stets auf den Grund – dieses eine Mal leider etwas zu gründlich.“

In diesem Sinne wünschen Marcel, die Klärgrube und ich euch einen wunderschönen und vor allem wohlriechenden Sonntag.


Veröffentlicht mit Welako

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köstlich geschrieben

ableben wegen kackeduft :-)

Esa manguera de 20 m me recuerda a la cuerda que llevo en la ruta cuando el presupuesto de agua escasea, ¡pero sin casco de aventura! ¿Probaste usar bicarbonato antes de lanzar la ducha a la klärgrube? 🚿