𝗗𝗘𝗥 𝗛𝗔𝗨𝗦𝗔𝗥𝗭𝗧 𝗛𝗔𝗧 𝗙𝗘𝗦𝗧𝗚𝗘𝗦𝗧𝗘𝗟𝗟𝗧: 𝗜𝗖𝗛 𝗟𝗘𝗕𝗘 𝗡𝗢𝗖𝗛! 😁
Heute hatte ich nach längerer Zeit mal wieder einen Termin bei meiner Hausärztin. Mir wurde nämlich gedroht: Wenn der Kerl sich nicht endlich wieder einmal sehen lässt, bekommt er keine Rezepte mehr.
Das war natürlich eine sehr ernste Drohung. Ohne Rezepte müsste ich meine Medikamente künftig vermutlich auf dem Schwarzmarkt erwerben oder im tiefen dunklen Wald selbst aus Wurzeln, Pilzen und Fichtennadeln zusammenbrauen.
Also bin ich zusammen mit meiner Freundin, die ebenfalls einen Termin zur Auswertung irgendwelcher Untersuchungen hatte, mit gesenktem Haupt in der Arztpraxis erschienen. Zwei schuldbewusste Patienten, die genau wussten, dass sie sich der medizinischen Staatsgewalt nicht länger entziehen konnten.
In der Praxis bin ich übrigens längst kein Unbekannter mehr. Eine der beiden Schwestern folgt mir hier auf Facebook und weiß deshalb ganz genau, welche Schandtaten ich täglich begehe und welchen Schwachsinn ich veröffentliche. Es ist schon eine lustige Angelegenheit, wenn man langsam erkannt wird.
Auch in einigen Geschäften in Gotha und Umgebung – besonders auf den Dörfern – haben mich Menschen schon aufgrund des Unsinns erkannt, den ich hier regelmäßig verbreite. Sogar meine Freundin wurde in der Nachbarschaft bereits angesprochen:
„Sie sind doch das Anhängsel von dem alten Mann aus dem tiefen dunklen Wald, oder?“

So schnell wird aus einer selbstständigen Frau ein Anhängsel. Ein Leben im Schatten einer Berühmtheit ist eben kein Zuckerschlecken. 😁
Ich warte eigentlich nur noch auf den Tag, an dem ich mein erstes Autogramm geben muss. Vielleicht erbarmt sich ja sogar irgendwann eine Buchhandlung in Gotha, mein Meisterwerk ins Sortiment aufzunehmen und eine Lesung oder Autogrammstunde mit mir zu veranstalten. Ich würde selbstverständlich völlig bescheiden auftreten, mich von der Masse feiern lassen und hinterher behaupten, der ganze Ruhm sei mir unangenehm.
Und da wir gerade vollkommen zufällig über mein Buch sprechen, mache ich schnell noch etwas dezente Werbung:
Mein Roman handelt von einer DDR, die bis heute existiert – allerdings reformiert, modernisiert und ganz anders, als wir sie kannten. Das Buch des nächsten Pulitzer-Preisträgers könnt ihr bereits hier vorbestellen:
Nun aber zurück zu meinem Arztbesuch.
Bei meiner Hausärztin in Gotha, Frau Dr. Schrer in der Ordonnanzgasse, gehen meine Freundin und ich schon seit Jahrzehnten ein und aus. Sie gehört noch zu den Ärztinnen, bei denen nicht die medizinische Fließbandabfertigung auf dem Programm steht: reinkommen, hinsetzen, einmal husten und nach drei Minuten wieder rausfliegen.
Wenn es die Zeit zulässt, wird auch mal ein Schwätzchen gehalten. Das finde ich ausgesprochen angenehm, denn schließlich möchte man wenigstens kurz wissen, wem man seine restliche Lebenserwartung anvertraut.
Die heutige Diagnose wurde mir leicht verständlich und ohne unnötige medizinische Fachbegriffe mitgeteilt:
„Man hat festgestellt, dass Sie noch leben.“
Na bitte, was will man mehr? Viel mehr Informationen braucht ein Mann in meinem Alter eigentlich gar nicht. Solange der Arzt noch feststellt, dass man lebt, kann der Tag nicht vollkommen misslungen sein. 😁
Das Wichtigste ist bei mir natürlich meine Herzerkrankung. Dafür gehe ich regelmäßig zum Kardiologen in das Krankenhaus nach Friedrichroda. Leider ist der Kardiologe, der mir sehr geholfen hatte, vor etwa anderthalb Jahren verstorben. Nun habe ich gerüchteweise gehört, dass vielleicht auch mein jetziger Kardiologe das Handtuch wirft und aufhört.
Was ich dann mache, weiß ich noch nicht so recht. Ich habe mich dort immer sehr gut aufgehoben gefühlt. Einen Kardiologen habe ich zwar noch in Reserve, aber der hat seine Praxis ausgerechnet in Berlin.
Als ich noch in Griechenland lebte, bin ich für meine Termine immer dorthin geflogen. Er hatte mich mehrfach operiert, die drei Elektroden eingesetzt und auch meinen CRT-D implantiert. Dadurch hatten wir im Laufe der Jahre ein ziemlich gutes Verhältnis entwickelt.
Aber das ist auch kein Wunder. Ich bin schließlich ein furchtbar netter Mensch. Man muss mich einfach mögen.
Zumindest, solange man mir nicht zu lange zuhört. 😁
Veröffentlicht mit Welako