𝗙ü𝗿 𝟱𝟬 𝗞𝗶𝗹𝗼 𝗢𝗹𝗶𝘃𝗲𝗻

in #deutsch • 2 days ago

𝗸𝗮𝗻𝗻 𝗗𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗱 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗺𝗮𝗹 𝗲𝗶𝗻 𝗽𝗮𝗮𝗿 𝗧𝗮𝗴𝗲 𝘄𝗮𝗿𝘁𝗲𝗻. 🫒😂

Schaut euch mal diese Oschis an! 50 Kilo schwarze Oliven habe ich vor zwölf Jahren aus Griechenland mitgebracht. Keine kleinen Kügelchen, die man zwischen zwei Backenzähnen suchen muss. Auf dem Foto liegt extra ein Zollstock dabei, damit ihr die Größe erkennen könnt.

Das war die Zeit, als wir noch mehr oder weniger dauerhaft in Griechenland gelebt haben. Wegen der Oliven bin ich damals extra ein paar Tage später nach Deutschland zurückgefahren. Man muss schließlich Prioritäten setzen. Und meine hingen in diesem Fall am Baum.

Wir sind nämlich zum Überwintern nach Deutschland gefahren. Ja, richtig gelesen. Andere fahren zum Überwintern nach Griechenland. Wir sind aus Griechenland nach Deutschland gefahren. Für manche offenbar eine derart lächerliche Vorstellung, dass man uns vermutlich am liebsten persönlich die richtige Fahrtrichtung auf einer Europakarte gezeigt hätte. 😂

Aber Sonne und mildes Wetter kann schließlich jeder. Wir wollten auch mal wieder prüfen, ob die deutsche Novembertristesse noch hält, was sie verspricht.

Das hatte allerdings auch einen ganz vernünftigen Grund: Daniel, unser Sohn, war Freilerner und sollte sich regelmäßig in einem deutschen Umfeld bewegen können. Deshalb hatten wir immer für drei bis vier Monate eine Ferienwohnung angemietet. Mal in Berlin, mal an der Ostsee und auch in Gotha. Wir haben dort also tatsächlich einen Teil unseres Lebens verbracht und nicht bloß versehentlich die falsche Autobahn genommen.

Damals waren wir mehrere Monate in Gotha. Und mit uns diese 50 Kilo Oliven aus der Nähe von Kalamata.

Die habe ich anschließend selbst entbittert. Ohne Natronlauge, einfach mit gutem Thüringer Wasser. Griechenland lieferte die Oliven, Thüringen das Wasser, und ich durfte mich um den Rest kümmern. Eine internationale Zusammenarbeit, deren organisatorischer Mittelpunkt mehrere Fünf-Liter-Wasserkanister waren.

Wenn ich mich richtig erinnere, dauerte das ungefähr zwei Monate. Alle paar Tage das Wasser wechseln. Dann wieder warten. Wieder Wasser wechseln. Bei 50 Kilo hat man da wenigstens eine Aufgabe. Nicht, dass man während des Überwinterns noch versehentlich zur Ruhe kommt. 😂

Manch einer glaubt ja, man könne die Oliven direkt vom Baum essen. Natürlich kann man das. Man kann auch freiwillig in eine rohe Kartoffel beißen. Die Frage ist nur, wie begeistert man danach noch von seiner Idee ist.

Eine frische Olive probierst du jedenfalls einmal. Danach bekommt der Begriff „bitter“ eine völlig neue persönliche Bedeutung, und zwei Monate Wasserwechsel erscheinen plötzlich als ausgesprochen vernünftige Freizeitgestaltung.

Nach dem Entbittern habe ich einen Teil in Öl eingelegt und unterschiedlich aromatisiert. Andere kamen in Salzlake, zum Teil ebenfalls mit verschiedenen Aromaten. Die waren wunderbar knackig und hatten einen Geschmack, für den sich die ganze Arbeit gelohnt hat.

Und das waren von Natur aus dunkle Oliven. Denn nur weil eine Olive schwarz im Glas liegt, muss sie nicht schon schwarz am Baum gehangen haben. Im Handel gibt es auch geschwärzte Oliven. Dabei werden heller geerntete Früchte durch Oxidation dunkel, und Eisensalze stabilisieren die Farbe. Natronlauge wiederum wird zum Entbittern verwendet.

Meine hatten ihre dunkle Farbe schon selbst mitgebracht. Sehr eigenständig von ihnen. Dafür brauchten sie beim Entbittern etwas länger. Vermutlich hatten sie meine Begeisterung für Termindruck übernommen.

Die fertigen Oliven waren ganz besondere Geschenke. Viele haben sich riesig darüber gefreut, und einige schwärmen heute noch von dem Geschmack. Das freut mich natürlich. Schließlich hatte ich die kleinen Herrschaften vorher zwei Monate lang betreut und regelmäßig ihr Badewasser gewechselt. Da entwickelt man irgendwann eine gewisse Beziehung. 😂

Leider habe ich den Eindruck, dass sich diese Arbeit heute kaum noch jemand macht. Auch in Griechenland wird mit Laugen entbittert. Geht natürlich schneller. Geduld kann man schlecht auf die Zutatenliste schreiben und anschließend einen Aufpreis dafür verlangen.

Ich wollte es damals auf die alte Art machen: mit Wasser entbittern und danach in Öl oder Salzlake einlegen. So, wie es schon lange vor uns gemacht wurde. Zeitaufwendig, umständlich und mit reichlich Arbeit verbunden. Also genau die Sorte Beschäftigung, bei der ich offenbar besonders zuverlässig „Das mache ich!“ rufe.

Schade finde ich trotzdem, dass solche Methoden immer seltener werden. Aber so ist wohl der Lauf der Dinge. Alles muss schneller gehen.

Außer meine Rückfahrt nach Deutschland. Die musste wegen 50 Kilo Oliven eben warten. 😂


Veröffentlicht mit Welako

Sort:  

50 kilos de aceitunas en el auto, ¡eso sí es planificar la ruta con presupuesto incluido! Me mató lo de desamargarlas dos meses cambiando bidones en Gotha, ahí ya no sé si era aventura o condena. ¿Y al final valieron la pena o terminaste regalando medio maletero?

50 kilos de aceitunas negras de Kalamata y encima desamargándolas dos meses con agua de Turingia, miren esto, eso sí es paciencia. Me quedó dando vueltas lo de "otros viajan a Grecia a pasar el invierno y ustedes volvieron a Alemania"... ¿y el sabor valió la pena después de tanto cambio de agua?

wieder eine geile geschichte aus deinem leben,wir haben auch oliven :-)