Tag 18 in meinem Leben ohne Handy und Telefon...

in #deutsch • 2 months ago

Holá ihr Lieben,

schon wieder ist ein kostbarer Lebenstag in unserem Leben vorbei. Was ist passiert?

Nun - gestern Abend bin ich noch zum totkranken Freund gefahren. Natürlich im ÖPNV von Düsseldorf. Eine Fahrt die normalerweise 40 Minuten dauert, dauerte diesmal fast 90 Minuten. Kein Problem - im Sozialismus ist sowas ja normal. Einmal angekommen gab es einen herzlichen Empfang und Leckereien für die Magengrube. Wie ich nicht anders erwartet hatte wurde mir dabei das neuste Problem aufgetischt, bei dem meine Hilfe gefordert war.

Eigentlich waren es gleich drei Probleme. Problem Nummer 1 war der Kühlwasserverlust am Auto der Ehefrau, die trotzdem ohne Kühlwasser weiter durch die Stadt gegurkt war. Sollte man eigentlich nicht machen, aber so sind Frauen halt mal. Musik an, Gas geben ohne Rücksicht auf Verluste. Jetzt steht der Wagen in der Werkstadt und die Reparatur wird wohl ziemlich teuer. Doch was ist schon Geld, wenn man weiss, dass man vielleicht nicht mehr lange zu leben hat und jeder Tag ein Geschenk des Himmmels ist.

Daher war Problem Nummer 2 ebenfalls etwas, was scheinbar erst letzte Woche entdeckt wurde. Denn an dem Kleinwagen war die Ersatzradmulde im Kofferraum komplett vollgelaufen und das Wasser durch den rostenden Wagenheber komplett verfärbt. Also habe ich mich daran gemacht erstmal die verrosteten Schrauben zu lösen, die ziemlich fest und unter Wasser saßen. Rostlöser war also nicht möglich. Mit etwas Physik, Hebelarm und Gewalt liessen sich dann aber beide Schrauben schlussendlich lösen, so dass das Wasser mit einer kleinen Kelle dann schrittweise von mir hinaus bugsiert werden konnte. Wegen der Verletzungsgefahr und der damit verbundenden Infektionsrisiken für den guten Freund, war das gänzlich meine Aufgabe.

Nach rund 25 Minuten war der Kofferraum und die Ersatzrad Mulde schliesslich trocken. Woher das Wasser kam war hingegen zunächst unklar. Kofferraumdichtung war alles dicht. Die genaue Inspektion von mir brachte einen ersten Hinweis auf Feuchtigkeit hinten links am Radkasten der Rücksitzbank. Erst dachte ich es wäre die hintere Tür mit vielleicht einem undichten Gummi oder ähnlichem. Doch da war nichts zu sehen. Alles augenscheinlich dicht und trocken. Nun - gefunden habe ich erstmal nichts und auch nicht weiter gesucht, weil es dann doch leicht anfing zu regnen. Vermutlich kommt das Wasser dann durch eine undichte Stelle am Radkasten hinten links in den Kofferraum. Da wird man vielleicht mal auf der Hebebühne oder einer Grube genauer nachschauen müssen. Dazu hatte ich aber auf dem nassen Bürgersteig und der einsetzenden Dunkelheit keinen Bock mehr. Muss ich auch nicht machen. Kann man auch direkt in der Werkstatt schauen und falls ein Loch zu sehen, ist das direkt schweissen lassen.

Schnell noch den total verrosteten Wagenheber ausgebaut und zum renovieren dem Kumpel in die Hand gedrückt und Problem Nummer 2 war erledigt.

Alles eingeräumt und fertig war die Chause. Danach ging es wieder rein zu Problem Nummer 3 - der Durchsicht eines Arztberichtes der für Laien immer ein Buch mit sieben Siegeln ist. Problem Nummer 3 war mit Abstand die beste Nachricht des Tages. Besser geht nicht und man kann nur hoffen, dass dies möglichst lange so bleibt. Also flux dem besten Freund erklärt, was es damit auf sich hat und wie es meiner Ansicht nach am besten weitergeht und worauf er am Montag bei dem Gespräch zu achten hat.

Hab ihm dafür einen Spickzettel angefertig, den er den Kollegen mit netten Grüßen von mir unter die Nase reiben kann und an den die sich besser auch halten sollten, wenn sie keine Probleme kriegen wollen.

Insofern ist es immer gut, wenn man einen Arzt zum Freund hat, der eben auch versteht, was geht und was nicht.

Nachdem als diese drei "Probleme" erledigt waren, machtenn wir unsere Runde am Rhein entlang. Runde heißt in diesem Fall ein Gängle von rund 2 Stunden. Gegen 23 Uhr waren wir dann wieder zurück bei ihm und ich machte mich sofort auf den Rückweg zum Bus um mit dem ÖPNV zur 12 Kilometer entfernten Uniklinik zurück zu kehren. Den Bus auch pünktlich erwischt und der fuhr auch wie geplant alle Stationen flott ab. Nur die Rheinbahn in Düsseldorf mit ihrem SEV scheint nicht viel von ihren eigenen Fahrplänen zu halten. So verpasste ich in Benrath den Anschluss an den SEV der U72, der mir direkt vor der Nase wegfuhr.

Nachdem ich 20 Minuten gewartet hatte, dachte ich mir ich fahre mit dem 789 er erstmal nach Holthausen und steige dann um. Immer noch besser als in der doch recht frischen Nacht sich die Beine in den Bauch zu stehen, weil die Rheinbahn ihren SEV nicht im Griff hat. Denn entweder fährt das eine halbe Stunde oder länger gar nichts mehr oder es kommen direkt 4(!!!) Busse innnerhalb von 5 Minuten.

Kein Wunder dass die Rheinbahn in Düsseldorf jedes Jahr inzwischen einen Verlust von über 250 Millionen Euro macht.

In Holthausen angekommen, fuhr der SEV der U76 ebenfalls vor meiner Nase weg mit der ich in Wersten in den 785 hätte umsteigen wollen. Also wieder gewartet. Nehme ich den 835 Richtung Moorenstraße Ecke Uniklinik und gehe die 600 Meter dann zum Fahrrad? Tja, hätte ich vielleicht mal besser machen sollen. Der erste Gedanke ist immer der Richtige. Doch ich dachte mir, warte und hoffe auf den zweiten SEV der U72 und dann steigst Du statt im Südpark in Wersten in den 785 er der Uniklinik. Am Ende habe ich rund eine halbe Stunde in Holthausen mir die Beine in den Bauch gestanden und dabei einer Ratte das fürchten gelehrt. Nur dass die sich eher nicht fürchtet und später immer wieder meinte nach dem Rechten schauen zu müssen...

Klug sind die Tiere ja - und das ohne Ende. Echte Überlebenskünstler...

Irgendwann um Mitternacht kam dann der - oh Wunder - der SEV der U72. Also eingestiegen. Leider war er nicht so flott unterwegs. Rote Ampeln taten und neue Fahrgäste taten ihr übriges. In Wersten angekommen fuhr mir direkt der 785 vor der Nase weg. Er machte auch keine Anstalten zu warten um Fahrgäste aufzunehmen. Einfach weg... Also blieb ich im SEV der U72 und fuhr Richtung Südpark wo der Bus dann regulär den Anschluss für die U72 Richtung Innenstadt sucht. Kaum angekommen, besschloss die U72 vor meiner Nase in die Innenstadt zu düsen. Ebenfalls Anschluss verpasst. Und so standen ich und drei andere Fahrgäste an der Haltestelle und schauten der U-Bahn hinterher...

Kunden sind nunmal als Fahrgäste nicht erwünscht. Hauptsache der Plan wird erfüllt. Nach 10 Minuten ohne neue Bahn entschloss ich mich zu Fuss zu laufen. Zunächst 600 Meter zur nächsten Haltestelle wo dann gleich 3 U Bahnen im Abstand von 12 Minuten angekündigt wurden, während auf der gegenüberliegenden Seite erst in 42 Minuten wieder was kommen sollte.

2 Minuten warten? Hörte sich gut an. Dann kann ich mir die nächsten 700 Meter Fussweg zum Fahrrad sparen. Also warten. Doch nach 2 Minuten verschwand die angekündigte Bahn auf der Annzeige, während mindestens drei U-Bahnen inzwischen an der Haltestalle Universität Ost es sich gemütlich gemacht haben mussten.

Auf die Anzeige für die 704 habe ich dann verzichtet, da die auch erst in 10 Minuten kommen sollte und beschloss daher die restliche Strecke Richtung Uniklinik zu Fuss zu laufen. Wenigstens war nicht tiefster Winter, Eiseskälte oder strömender Regen.

Als ich das Fahrrad erreichte kam dann auch tatsächlich mal eine der drei U-Bahnen in Richtung Innenstadt und versuchte mich tatsächlich noch zu überholen.

Das Ende vom Lieder - für die 12 Kilometer vom Düsseldorfer Süden zur Uniklinik habe ich mit dem ÖPNV und dessen Kundenverarschung glatte 2 Stunden gebraucht - für 12 (!!!) Kilometer. Irre! Kann man sich nicht ausdenken....

So ist das halt in dieser Bananenrepublik. Man darf gespannt sein, ob die Nieten bei der Rheinbahn es schaffen die Strecke wie groß angekündigt bis zum 21. September am Montag frei zu geben.

Tageland herrschte am gesperrten Werstener Kreuz als Großbaustelle gähnende Leere. Nur gestern schien man tatsächlich anzufangen auch mal Nachts zu arbeiten um pünktlich zur Planerfüllung zu greifen...

Ob sie es schaffen?

Zweifel sind angebracht.

Wie dem auch sei.

Morgen wird vermutlich das erste Telefon wieder Kontakt haben. Spätestens zum Wochenanfang soll dann auch das zweite Handy folgen, so denn alles klappt.

Wir werden sehen, was kommt.

Haltet die Ohren steiff und bleibt sauber.

In diesem Sinne ein gutes Nächtle euch allen.

Peace!

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