Maitake, Klapperschwamm (Grifola frondosa): Anbau, Schutz und was man wirklich über die Gesundheit weiß

Maitake bedeutet auf Japanisch „tanzender Pilz“. Einer beliebten Geschichte nach stammt der Name daher, dass Sammler vor Freude tanzten, wenn sie ihn im Wald fanden. Vor einigen Jahren habe ich auf meinem alten Blog einen begeisterten Text über Maitake geschrieben: Er schütze vor Krebs, heile Diabetes, senke den Blutdruck und helfe bei Unfruchtbarkeit. Als ich ihn wieder las, wollte ich prüfen, wie viel davon dem Abgleich mit Studien am Menschen standhält. Hier ist eine neue, ehrlichere Fassung: was der Klapperschwamm ist, wo er wächst, ob man ihn anbauen kann und was wir wirklich über ihn wissen.
Was Maitake ist
Maitake ist der japanische Name des Klapperschwamms (Grifola frondosa), im Deutschen auch Laubporling genannt. Im Englischen heißt er „Henne des Waldes“ (hen of the woods), weil ein großer Fruchtkörper an eine Henne mit aufgeplustertem Gefieder erinnert. Er bildet buschige Büschel aus vielen spatelförmigen, graubraunen Hüten auf einem gemeinsamen, verzweigten Strunk. Ein ganzes Büschel ist meist 20–50 cm breit, in Ausnahmefällen sogar einen Meter. Die Poren auf der Unterseite sind weißlich und dunkeln bei Berührung nicht nach.[1]
In Japan und China ist er ein geschätzter Speisepilz und Bestandteil der traditionellen Medizin. Frische Pilze und Nahrungsergänzungsmittel aus dem Handel stammen aus dem Anbau.
Maitake in Polen: selten und geschützt
In Polen ist der Klapperschwamm sehr selten. Er wächst am Fuß lebender und abgestorbener Laubbäume, an Stümpfen und Wurzeln, meist an Eichen und Hainbuchen. Er ist ein Parasit, der Weißfäule im Holz verursacht. Die Fruchtkörper erscheinen im Sommer und Herbst, oft viele Jahre lang an derselben Stelle.[1]
Die Art steht in Polen seit 1983 unter Schutz. Bis 2014 war sie streng geschützt, heute ist sie teilweise geschützt, sodass die Fruchtkörper nur mit Genehmigung gesammelt werden dürfen. Auf der polnischen Roten Liste gilt sie als „gefährdet“.[1] Für das Sammeln geschützter Pilze droht in Polen eine Geldstrafe von bis zu 5000 Złoty, und Mykologen warnen, dass der Klapperschwamm trotz Schutz gelegentlich auf lokalen Märkten auftaucht.[2] Wenn Sie ihn also im Wald finden, machen Sie ein Foto und lassen Sie ihn stehen.
Womit man ihn verwechseln kann
- Riesenporling (Meripilus giganteus) bildet ähnlich große Büschel, wächst aber hauptsächlich an Buchen, und seine Poren und Hutränder werden bei Berührung schwarz.
- Eichhase (Polyporus umbellatus) hat viele kleinere, runde Hütchen auf einem zentralen Stiel.
- Bergporling (Bondarzewia mesenterica) wächst an Tannen und schmeckt scharf.[1]
Kann man Maitake anbauen?
Ja, aber er ist ein Pilz für geduldige und erfahrenere Züchter. Maitake unterliegt leicht konkurrierenden Pilzen, daher verwendet man im Hobbyanbau sterilisierte Eichenholzstücke, die mit Sägemehlbrut beimpft werden. Die Stammstücke werden in verschlossenen Filterbeuteln mehrere Monate lang durchwachsen und anschließend an einem schattigen Ort flach in die Erde eingegraben und mit einer wenige Zentimeter dicken Bodenschicht bedeckt. Die Fruchtkörper wachsen aus dem Holz und durchstoßen die Erde.[3] Auf die erste Ernte wartet man in der Regel länger als bei Austernpilzen oder Shiitake. Wer gerade erst anfängt, sollte es zuerst mit dem Shiitake-Anbau auf Holzstämmen versuchen.
Gezüchteter Maitake ist eine legale Alternative zu den geschützten Wildpilzen. Frisch oder getrocknet bekommt man ihn auch in Asia-Läden.
Maitake in der Küche
Gezüchteter Maitake hat festes, leicht knackiges Fleisch und ein ausgeprägtes, waldiges Aroma. Das Büschel wird mit den Fingern in kleinere Stücke gerissen und in Butter oder Öl gebraten, bis die Ränder goldbraun sind, oder in Suppen, Risotto und Nudelgerichte gegeben. Wie alle Pilze muss er vor dem Verzehr gut gegart oder gebraten werden. Ältere wilde Fruchtkörper sind zäh und leicht bitter.[1]
Was die Forschung sagt
Die meisten Studien zu Maitake wurden im Labor und an Tieren durchgeführt. Die Forscher befassen sich vor allem mit Beta-Glucanen, also Vielfachzuckern aus den Zellwänden des Pilzes, und ihren Extrakten wie der D-Fraktion oder der MD-Fraktion. In meinem alten Text habe ich hauptsächlich genau solche Studien zitiert: an Mäusen, Ratten und Zellen im Reagenzglas. Das ist ein guter Ausgangspunkt, aber kein Beweis dafür, dass der Pilz beim Menschen genauso wirkt.
Immunsystem und Krebs
Studien am Menschen gibt es wenige, und sie sind klein:
- In einer Studie mit 34 Frauen nach den Wechseljahren, die wegen Brustkrebs behandelt worden waren, war Maitake-Extrakt über 3 Wochen sicher und veränderte Immunparameter – allerdings gleichzeitig in beide Richtungen: Manche Werte wurden angeregt, andere gehemmt.[4]
- Bei 18 Patienten mit myelodysplastischem Syndrom (einer Knochenmarkerkrankung) verbesserte die Einnahme des Extrakts über 12 Wochen die Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen. Die Autoren betonen, dass unklar ist, ob dies zu weniger Infektionen führt.[4]
- Frühere japanische Beobachtungen an Patienten mit fortgeschrittenem Krebs berichteten von Besserungen, jedoch ohne Kontrollgruppe und genaue Dosierungen, sodass sie schwer zu bewerten sind.[4]
Onkologen des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York fassen zusammen, dass die klinische Bedeutung dieser Effekte nicht geklärt ist.[4] Maitake heilt keinen Krebs und kann eine onkologische Behandlung nicht ersetzen. Wenn Sie erkrankt sind, besprechen Sie jedes Nahrungsergänzungsmittel mit Ihrem behandelnden Arzt.
Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck
Ein Absinken von Blutzucker, Cholesterin und Blutdruck nach Maitake wurde vor allem bei Ratten und Mäusen beschrieben. Beim Menschen beschränken sich die Belege auf Einzelbeobachtungen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, ohne große Studien.[4] Diese Eigenschaft hat dennoch praktische Bedeutung: Wer Diabetes-Medikamente nimmt, sollte bei Maitake-Präparaten vorsichtig sein, weil sich die Wirkungen addieren können.
PCOS und Fruchtbarkeit
Eine kleine japanische Studie aus dem Jahr 2010 deutete an, dass Maitake-Extrakt bei einem Teil der Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom einen Eisprung auslösen könnte, auch nach erfolgloser Behandlung mit Clomifen.[4] Das ist ein interessantes, aber einzelnes Ergebnis, das in größeren Studien bestätigt werden muss.
„Adaptogen“
Maitake wird manchmal als Adaptogen beworben, also als Mittel, das hilft, mit Stress umzugehen. Das ist ein Marketingbegriff, kein medizinischer, und es gibt dafür keine klinischen Studien am Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Als Speisepilz wird Maitake meist gut vertragen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln und Extrakten sollte man jedoch einige Punkte beachten:
- Gerinnungshemmer. Beschrieben wurde der Fall eines Patienten unter Warfarin, bei dem nach Zugabe von Maitake-Extrakt der INR-Wert stieg, das Blut also schlechter gerann. Wer Gerinnungshemmer nimmt, sollte Maitake nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.[5][4]
- Diabetes-Medikamente. Maitake kann ihre Wirkung verstärken und den Blutzucker senken.[4]
- Autoimmunerkrankungen, Transplantationen. Da der Extrakt das Immunsystem beeinflusst, sollte die Entscheidung bei Autoimmunerkrankungen und Immunsuppressiva gemeinsam mit dem Arzt getroffen werden.
- Vor einer Operation. Informieren Sie Ihren Arzt über eingenommene Nahrungsergänzungsmittel, da Maitake die Blutgerinnung und den Blutzucker beeinflussen kann.
- Schwangerschaft und Stillzeit. Es fehlen Daten zur Sicherheit der Extrakte.
- Allergien. Bei Menschen, die im Maitake-Anbau arbeiten, wurde eine exogen-allergische Alveolitis durch das Einatmen der Pilzsporen beschrieben.[6] Bei einem Teil der Patienten, die in Studien den Extrakt einnahmen, wurde zudem ein symptomloser Anstieg der Eosinophilen im Blut beobachtet.[4]
Fazit
Maitake ist ein schmackhafter, interessanter Pilz, der in Polen selten und geschützt ist. Man sollte ihn daher aus dem Anbau essen und wilde Büschel im Wald stehen lassen. Laborstudien zu seinen Beta-Glucanen sind vielversprechend, Studien am Menschen jedoch spärlich und klein, und ihre Bedeutung für die Gesundheit bleibt unklar. Maitake heilt weder Krebs noch Diabetes oder Bluthochdruck. Er hat aber echte Wechselwirkungen mit Warfarin und Diabetes-Medikamenten, die man kennen sollte, bevor man zu einem Präparat greift. Mehr über andere Pilze aus dieser Reihe lesen Sie in meinen Artikeln über Reishi und den Igel-Stachelbart.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie chronisch krank sind oder Medikamente einnehmen, sprechen Sie vor der Anwendung von Maitake-Präparaten mit einem Arzt oder Apotheker.
Quellen
- Grzyby.pl: Grifola frondosa (żagwica listkowata) (polnisch).
- Interia Biznes: Tych grzybów nie zbieraj. Ekspert z PAN ostrzega (polnisch).
- North Spore: Hen-of-the-Woods (Maitake) sawdust spawn – Anleitung zum Anbau auf Eichenholz (englisch).
- G. Deng, J. Gubili (Memorial Sloan Kettering Cancer Center), The ASCO Post 2019: Maitake Mushroom (englisch).
- M.R. Hanselin, J.P. Vande Griend, S.A. Linnebur, Annals of Pharmacotherapy 2010: INR elevation with maitake extract in combination with warfarin (englisch).
- H. Tanaka u. a., Internal Medicine 2004;43(8):737–740: Effective treatment of hypersensitivity pneumonitis induced by Grifola frondosa (Maitake) (englisch).
Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Polnisch verfasst und ins Deutsche übersetzt.
Dieser Artikel stammt aus meinem Blog Laboratorium Natury („Naturlabor“), in dem ich über meinen Garten in Polen und ein selbstversorgendes Leben schreibe. Vollständige Version mit Fotos: https://jaworznia.pl/de/2026/10/30/maitake-klapperschwamm-grifola-frondosa/