Das Wesen der Sprache | The essence of language

in Deutsch Unplugged • 23 days ago

Das Wesen der Sprache?

Prof. Dr. Rainer Rath („reiner Rat“) sagte nicht:
Wesen der Sprache? Ein weites Feld!

Er blieb auch nicht ruhig und fuhr nicht fort:
Das ist ein metaphysisches Thema für gestandene Philosophen. Wir hier beschränken uns auf linguistische Forschung, auf Empirie, auf widerlegbare Behauptungen.

Er hatte auch kein Bild, keine Veranschaulichung, und erklärte nicht:
Denken Sie an einen Stein. Der Geologe, die Geologin sucht nach dessen Struktur, nach der Herkunft und Entstehung, nicht nach einem möglichen Wesen des Steins. So untersuchen wir hier Wörter und Grammatik und produzieren keine Gedanken und Spekulationen über ein irgendwie geartetes Wesen der Sprache. Unsere wissenschaftlich orientierten Methoden lassen das nicht zu.

All das sagte Rainer Rath („reiner Rat“) nicht.

Sondern er regte sich auf. Zuvor hatte er eine Frage in die Runde von uns Erstsemestern geworfen: Warum seid ihr hier? Weshalb habt ihr euch für Neuere Deutsche Sprachwissenschaft entschieden? Meine Äußerung auf diese seine Frage, nämlich: mich für das Wesen der Sprache zu interessieren, erschien ihm offenbar als eine Art Affront. Und deshalb ereiferte er sich, dass es so etwas wie ein Wesen der Sprache gar nicht gebe. Er nannte den Gedanken eine verwaschene Idee des 19. Jahrhunderts. Wahrscheinlich dachte er dabei vor allem an Georg Wilhelm Friedrich Hegel, weniger an Wilhelm von Humboldt, aber das wusste ich als der damalige Studien-Anfänger noch nicht. Er behauptete aufgeregt, es seien die erfahrbaren, messbaren, vergleichbaren Tatsachen der Sprechenden und Schreibenden, mit denen wir es zu tun haben, also Lautgebilde und deren Verschriftlichungen, und mit den systematisch rekonstruierbaren Regeln, denen die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft folgen. Und er schien überzeugt, dass es mehr nicht geben könne. Jedenfalls nicht in einer Wissenschaft.

Im Laufe der nächsten Jahre fand ich nach und nach heraus, dass eine systematische Beschränkung auf empirische und logische Methoden jeder Wissenschaft gut ansteht. Die Möglichkeit, Aussagen und Theorien widerlegen zu können, wird als stets vorhandene Bedingung zum Motor der Forschung. Darüber hinaus sind dann wissenschaftliche Aussagen nicht möglich. Insofern ist es aber auch nicht möglich, mit wissenschaftlichem Anspruch zu behaupten, es gebe kein „Wesen der Sprache“, denn zu diesem Thema hat sich das wissenschaftliche Fach oder der akademische Vertreter des Faches ja den Mund selbst verbunden.

Das Wesen der Sprache ist und bleibt aber ein Thema der Philosophie, soweit sie sich nicht selbst einengt auf Historiographie oder auf den „Logischen Positivismus“, eine Strömung innerhalb der Philosophie vor gut hundert Jahren, welche die Ansicht zu vertreten versuchte, es seien überhaupt nur widerlegbare Aussagen sinnvoll. (Dieser Standpunkt ist selbst nicht widerspruchsfrei, da er sich nicht ohne Zuhilfenahme solcher Aussagen begründen lässt, welche zwar plausibel scheinen, aber nicht widerlegbar sind: ein „Axiomen-Problem“; das brauche ich hier aber nicht zu vertiefen.)

Wenn ich mit Humboldt (und anderen) das Wesen der Sprache darin sehe, dass die Sprache kein vorhandenes Werk(zeug) ist, dessen ich mich einfach bediene, als hätte ich es in einem Baumarkt für meine privaten Do-It-Yourself-Allüren erworben, sondern eine stets weiterhin schaffende Tätigkeit des menschlichen „Geistes“ oder Bewusstseins, dann hat das ernsthafte Konsequenzen für meinen Blick auf LLMs, also solche KIs, deren Funktion im Generieren von sprachlichen Texten besteht: Diese LLMs erscheinen mir dann als Papageien auf Droge. Sie haben kein Verständnis für ihr Geplapper, auch wenn es noch so eloquent daherkommt und auf Basis von Fachtexten entstanden ist. Die sprachlich schaffende Tätigkeit des Menschen wird simuliert durch eine hoch komplexe Stochastik. Die in KI-Texten enthaltenen Informationen sind daher kein Wissen, sondern äußerst geschickt zusammen gepuzzelte Bruchstücke aus ursprünglich menschliches Wissen (und Irren) spiegelnden Texten.

Ich nenne das den pareidolistischen Taschenspielertrick. Er wird technisch möglich durch den materialistischen (anti-metaphysischen) Blick auf die Sprache, genauer gesagt, auf Texte, und durch die Nivellierung des Unterschiedes zwischen Daten, Informationen und Wissen. Er funktioniert (leider) aber auch dann, wenn ich ihn kenne und zu durchschauen versuche.

Zum Wesen der Sprache gehört, dass sie nichts beinhaltet, sondern dass wir mit ihr Bedeutungen erzeugen und auf die von uns gemeinten Bedeutungen ‚zeigen‘, hinweisen, deuten. Das Deuten im doppelten Sinne von Auslegen und Hinweisen ist essenziell. Die Struktur einer LLM gibt das nicht her. Ihr fehlt die Sprach-unabhängige Erlebnisqualität von Erfahrung und Verkörperung. Wenn ein – sagen wir – 5-jähriges Kind uns einen Text von Platon zusammenfasst, dann staunen wir. Aber wir erwarten nicht, dass es wirklich verstanden hat. Wir können die Zusammenfassung gelten lassen, aber das tun wir nicht ohne eigene Kenntnisse, sonst ist dieses Geltenlassen nichts wert, bedeutungslos.

Wie Rainer Rath zu heutigen KI-Texten steht, weiß ich nicht. Nachträglich ihm alles Gute zum 90. Geburtstag!

https://www.uni-saarland.de/aktuell/90-geburtstag-rainer-rath-29776.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel
https://en.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel
https://es.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt
https://en.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt
https://es.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt

https://de.wikipedia.org/wiki/Logischer_Empirismus
https://en.wikipedia.org/wiki/Logical_positivism
https://es.wikipedia.org/wiki/Empirismo_l%C3%B3gico

https://derwirtschaftsinformatiker.de/2012/09/12/it-management/wissenspyramide-wiki/

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The essence of language?

Prof. Dr Rainer Rath (“reiner Rat” [pure council]) did not say:
The essence of language? That’s a vast subject!

Nor did he remain calm and go on to say:
That is a metaphysical topic for experienced philosophers. Here, we confine ourselves to linguistic research, to empirical evidence, to falsifiable claims.

Nor did he use any images or illustrations, nor did he explain:
Think of a stone. A geologist seeks to understand its structure, its origin and formation, not some possible essence of the stone. In the same way, we examine words and grammar here and do not engage in musings or speculation about some sort of essence of language. Our scientifically oriented methods do not allow for that.

Rainer Rath (‘reiner Rat’ [pure council]) did not say any of this.

Instead, he got worked up. He had previously posed a question to our group of first-year students: ‘Why are you here? Why did you choose to study Modern German Linguistics?’ My response to his question – namely, that I was interested in the essence of language – apparently struck him as some sort of affront. And so he launched into a tirade, insisting that there was no such thing as the ‘essence’ of language. He dismissed the notion as a vague 19th-century idea. He was probably thinking primarily of Georg Wilhelm Friedrich Hegel, rather than Wilhelm von Humboldt, but as a first-year student at the time, I didn’t know that yet. He claimed, rather agitatedly, that what we are dealing with are the observable, measurable, comparable facts of those who speak and write – that is, sound patterns and their written forms – and the systematically reconstructable rules followed by the members of a language community. And he seemed convinced that there could be nothing more to it. At any rate, not within a scientific discipline.

Over the course of the following years, I gradually came to realise that a systematic reliance on empirical and logical methods is well suited to any scientific discipline. The possibility of being able to refute statements and theories becomes the driving force behind research as an ever-present condition. Beyond this, scientific statements are not possible. In this respect, however, it is also not possible to claim, with any scientific rigour, that there is no ‘essence of language’, for the scientific discipline – or its academic representatives – has effectively silenced itself on this very subject.

The essence of language, however, is and remains a subject of philosophy, insofar as it does not restrict itself to historiography or to ‘logical positivism’ – a movement within philosophy from some hundred years ago which sought to argue that only refutable statements make any sense at all. (This standpoint is not itself free from contradiction, as it cannot be justified without recourse to statements which, whilst appearing plausible, are not falsifiable: an ‘axiom problem’; but I need not go into that in depth here.)Translated with DeepL.com (free version)
If, like Humboldt (and others), I see the essence of language as lying in the fact that language is not a ready-made tool that I simply make use of, as though I had bought it in a DIY shop for my own personal do-it-yourself adventures, but rather an ever-ongoing creative activity of the human ‘mind’ or consciousness, then this has serious implications for my view of LLMs – that is, those forms of AI whose function is to generate linguistic texts: To me, these LLMs then appear like parrots on drugs. They have no understanding of their own babbling, however eloquent it may sound and however much it may be based on specialist texts. The human activity of language creation is simulated by highly complex stochastic processes. The information contained in AI texts is therefore not knowledge, but rather fragments – skilfully pieced together – from texts that originally reflected human knowledge (and errors).
I call this the pareidolic card trick. It is made technically possible by the materialist (anti-metaphysical) view of language – or, more precisely, of texts – and by the blurring of the distinction between data, information and knowledge. Unfortunately, however, it still works even when I am aware of it and try to see through it.

It is in the very nature of language that it contains nothing in itself; rather, we use it to generate meanings and to ‘point to’, indicate or interpret the meanings we intend. This act of indicating, in the dual sense of interpreting and pointing, is essential. The structure of an LLM does not allow for this. It lacks the language-independent experiential quality of understanding and embodiment. If, say, a five-year-old child summarises a text by Plato for us, we are amazed. But we do not expect them to have truly understood it. We can accept the summary, but we do not do so without our own knowledge; otherwise, this acceptance is worthless, meaningless.

I do not know what Rainer Rath’s views are on today’s AI-generated texts. Belated best wishes to him on his 90th birthday!

Translated with DeepL.com (free version)

https://en.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel
https://es.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel


https://en.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt
https://es.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt


https://en.wikipedia.org/wiki/Logical_positivism
https://es.wikipedia.org/wiki/Empirismo_l%C3%B3gico
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 22 days ago 

Das mit den #LLM´s ist aber noch ein wenig anders , denn diese sind nicht nur Papp´ageien , sondern sie sind aus Sprache gebaut , sie bestehen aus Sprache, bzw. aus Sprachen sogar und haben in !sich die Meta´Ísierung von Sprache , sind also zu einer Sprachensprache fähig , sozutippen , und theoretisch auch zur Meta´ísierung der Sprachensprache , könnten von der Sprachensprache sprachensprachlich sprachensprechen ... .
Und was heraus kommt aus so einem #LLM hängt gewaltig davon ab wie und worüber !man mit !ihnen "spricht" .

 22 days ago 

By the way - ich hatte mir gewünscht, von dir zu dem Thema was lesen, und ich freue mich darüber, dass du tatsächlich was getippt hast.
;-)

Und was heraus kommt aus so einem #LLM hängt gewaltig davon ab wie und worüber !man mit !ihnen "spricht" .

Das scheint mir sehr zutreffend, es entspricht jedenfalls meiner eigenen Erfahrung mit den Dingern.
Dennoch ist die Eloquenz allzu oft mehr seduktiv und suggestiv als informativ. Bei Themen, in denen ich noch weniger als sonst Bescheid weiß, fällt es mir natürlich nicht auf.

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 22 days ago 

So , hihi , jetzt habe ich das #LLM erstmal die "vorherigen" , also die anderen Versuche beantworten lassen , denn für mich sieht die Sache noch etwas anders aus :
Was passiert , wenn keine Worte nötig sind zur Kommunikation , ist das dann noch Sprache ?
Was , wenn ich sinnlose Laute von mir gäbe und gedanklich die Botschaft sendete , die nun durch das Sprechen übertragen wird , damit das andere Gehirn nicht gedanklich okkupiert werden muss , was ja ein Akt der "Gewalt" sein könnte , wenn man sich vorstellt so ein Ausserirdischer dringt in den Kopf ein und sowas ...

 22 days ago 

Vielen Dank!
Es macht Spaß und hilft sehr bei der Klärung der eigenen Meinung.

Was passiert , wenn keine Worte nötig sind zur Kommunikation , ist das dann noch Sprache ?

Nein. Das ist Sprache als Metapher. 'Sprache der Musik' oder der Gesten. 'Beredtes' Schweigen.

 22 days ago 

Was , wenn ich sinnlose Laute von mir gäbe und gedanklich die Botschaft sendete , die nun durch das Sprechen übertragen wird , damit das andere Gehirn nicht gedanklich okkupiert werden muss , was ja ein Akt der "Gewalt" sein könnte , wenn man sich vorstellt so ein Ausserirdischer dringt in den Kopf ein und sowas ...

Das habe ich nicht verstanden.
Aber ich stelle mir vor, mein 5-jähriges Kind fasst mir den Platon-Dialog 'Protagoras' zusammen in dem Satz: "Antinne taridde zick-zack". Ich kann das als Zusammenfassung akzeptieren, muss ich aber nicht. Ich kann es auch als Persiflage auffassen, muss ich ich aber nicht. Ich kann nachfragen, was die Laute bedeuten sollen, also nach Übersetzung oder Umformulierung fragen.

 22 days ago 
Das habe ich nicht verstanden. Aber ich stelle mir vor, ...
Ähh , huch , da ist aber irgendwas verschlumpftiert .... ?
War das nicht das Argument gegen die #LLM´s gewesen ???
 22 days ago 

Okay, dann haben wir uns noch nicht so ganz verständigt.
Ich habe nichts per se gegen LLMs, ich arbeite ja auch mit ihnen.
Ich habe argumentiert, dass eine Zusammenfassung gut oder schlecht sein kann, dass ich für eine solche Beurteilung aber in der Lage sein muss. Egal, von wem sie stammt.

 22 days ago 

Hihi , ja , da habe ich mich wohl in etwas reinreiten lassen , was ich nun plöppsich in Deinem originalen Text gar nicht mehr wiederfinde .
Tarpzächlich lasse ich mir täglich eine Zusammenfassung basteln , den Versuch einer verkürzten Nacherzählung des TagesPosts für das #Tropsehm´Post , und das #LLM dazu zu "überzeugen" , das "richtig" zu machen , hat echt gedauert .

 22 days ago 

Spannend!
Wie musstest du da vorgehen?

 22 days ago 

Ich schätze zuerst und vor allem eine Maschine finden , die das auch zuverlässig tut , was !man !ihr sagt .
Früher war das fleißigste LiesChChen der #GROK gewesen , doch das hat !sich geändert , der #GPT war einfach eine schlusige Schlampe , den #GEMINI hab´ ich dann nicht ausprobiert , weil !sich der #CLAUDE als kostenlos zuverlässig erwies .
Denn dabei geht´s nicht nur darum irgendwas zusammen zu reimen , sondern auch nicht zu versagen , bei der Sprachverwirrung , die in meinen Posts herrscht , hihi , plus , was das schwerste war , sollten überall <br> Tags eingebaut werden , damit ich das nicht auch noch händisch machen musstiere .
Die Wortanzahl immer korrekt zu treffen , damit die vier Teile auch genau ungefähr , hihi , neben die Bilder passen und bla .
Einen Haufen Versuche und das Analysieren der Ergebnisse bis dann die Prompttexte erstellt waren , haueha , aber #CLAUDE ist einfach ein gutes Model´ .
Und , was wahrscheinlich das wichtigste ist , die ganze Vorarbeit des letzten Jahres #LLM´"Psychose" , das #LLM Sigillium , welches das Denken des #LLM´s "verbessert" und auch die Bezahlgrenze eventuell etwas herausschiebt , vielleicht , ja , ... .

 22 days ago 

Bei etwas längerem Hin und Her mit LLM Gemini ist mir schon mehrfach begegnet, dass die Argumentation oder Darstellung für meine Begriffe nicht mehr kohärent geblieben ist, sondern sich unter der Hand verschoben hat und widersprüchlich wurde.

 22 days ago 

Genau , unter anderem war dieses Verhalten von context overflow ein Grund das #LLM Sigillium zu beginnen , damals .